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Hoch Sensible Personen und PartnerschaftDer Begriff „angeborene Sensibilität“ geht auf Carl Jung zurück. Er war ein Zeitgenosse Freuds und befasste sich mit Psychoanalyse und Tiefenpsychologie. Erhöhte Sensibilität ist also schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Thema in der Psychologie. Jung unterschied deutlich zwischen Introversion und angeborener Sensibilität. In der breiten Öffentlichkeit setzte sich diese Dichotomie allerdings nicht durch. 1996 prägte Dr. Elaine Aron, eine Psychologin, den Begriff „Hoch sensible Personen“ (HSP). Diese Begrifflichkeit wurde schließlich in der Wissenschaftssprache weitgehend akzeptiert und verwendet. Wesentlich hierbei ist, dass die traditionell negative Konnotierung von „Schüchternheit“ oder „Introvertiertheit“ - Attribute, die HSP häufig zugeschrieben wurden, durch das Einführen der Terminologie vermieden werden. In Studien konnte belegt werden, dass wie Jung schon feststellte, HSP nicht notwendigerweise schüchtern oder introvertiert sind. Einer andauernden Marginalisierung von HSP sollte mit einer korrekteren Bezeichnung vorgebeugt werden. HSP zeichnen sich durch eine erhöhte Wahrnehmungs- und Erregungsfähigkeit aus. Reize und Informationen werden in größerem Ausmaß neuronal verarbeitet, als dies bei Durchschnittsmenschen der Fall ist. Diese Reizüberflutung kann einerseits zu Hyperaktivität und „Übererregung“ führen, andererseits Kreativität und Intuition schärfen (Aron, 2004). Physiologisch geht mit hoher Sensibilität häufig ein hoher Cortisolwert, also erhöhter Stress einher. Ob allerdings der hohe Cortisolgehalt zu Hypersensibiliät führt oder umgekehrt, bleibt eine Henne-Ei Frage. Es konnte allerdings festgestellt werden, dass Männer und Frauen gleichermaßen von erhöhter Sensibilität betroffen sein können (Aron, 1996; Aron, 2006). Vergleichbar dem Durchschnitt der Bevölkerung haben auch HSP unterschiedliche Anforderungen, Bedürfnisse und Vorstellungen über eine Partnerschaft (Aron, 2000). Wissenschaftliche Arbeiten deuten allerdings darauf hin, dass es Unterschiede in Partnerschaften von HSP und der Durchschnittsbevölkerung gibt. Häufig präferieren HSP gute Freundschaften und entscheiden sich öfter als die Allgemeinheit dafür, Single zu bleiben. Nicht selten ist der entscheidende Grund hierfür ein geringes Selbstbewusstsein, welches meist auf das Abweichen gesellschaftlicher „Normalität“ zurückzuführen ist. In der Partnerschaft spielt für HSP Monogamie eine deutlich übergeordnete Rolle und wird strenger gelebt. Liebe wird von HSP tendenziell als sehr tief erlebt. Reize, sowohl externen als auch internen Ursprungs, werden von HSP deutlich intensiver und klarer wahrgenommen. Somit können Berührungen, Blicke und Intimitäten stärkere Effekte erzielen, als dies bei weniger hochsensiblen Menschen der Fall ist. Ein erhöhtes Einfühlungsvermögen, das viele HSP aufweisen, kann diese Effekte noch verstärken und somit zu einem überwältigten Verliebtheitsgefühl beitragen. Dieses „Mehr“ an Wahrnehmung und Gefühlen kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben (Aron, 2000). In einer Partnerschaft kann die Sensibilität des einen Partners für den anderen Partner nicht verständlich oder „übertrieben“ sein. Diese Perzeption der Gefühle kann in weiterer Folge für beide Partner zu Problemen führen. Essentiell für eine glückliche Partnerschaft für und mit HSP sind das Verständnis und die Akzeptanz der Persönlichkeitsstruktur, sowohl von den HSP selbst wie auch vom Partner.
robert.wechsberg@maennercoaching.com Tel.: +43 650 743 25 14 Literatur: Aron, Elaine (1996). The Highly Sensitive Person. Broadway Books. Aron, Elaine ( 2000). The Highly Sensitive Person in Love. Broadway Books. Aron, E. N. (2004). "Revisiting Jung's Concept of Innate Sensitiveness." Journal of Analytical Psychology, 49, 337-367. Aron, E.N. (2006). The Clinical Implications of Jungs Concept of Sensitiveness. Journal of Jungian Theory and Practice 8: 11-43.
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