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Zusammenfassung:
Das über die Medien vermittelte Bild des glücklichen, sexy Single hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Trotzdem hat es einen Einfluss auf unser Beziehungsleben. Es werden unerreichbare und dazu falsche Maßstäbe angesetzt und das einsame Single-Sein gerechtfertigt. Selbst freiwillige Singles sind das nur auf Zeit. Fast alle Singles sind auf der Suche, aber oft ist ihr mangelndes Selbstbewusstsein ein Hindernis.


Singles als Bestandteil der Gesellschaft und Konstruktion in den Medien

Der Einfluss der Medien auf unsere Persönlichkeit ist unumstritten und war Anlass unterschiedlicher Theoriebildungen innerhalb der Psychologie (z.B. Bandura, 2002; McLuhan, 1997; vgl. Bartsch, 2004). Beliebte Themen der medialen Inszenierung betreffen dabei alles rund um Beziehungen in oft unkonventionellen Ausdrucksformen. Glückliche Partnerschaften stehen dagegen wenig an der Tagesordnung. Die richtige Spannung scheint vorzugsweise im Rahmen von unsteten, oft oberflächlichen Liebesbeziehungen und unberechenbaren, wenig bindungswilligen Liebespartnern erzeugt werden zu können. In diesem Zusammenhang feiert der Single seinen großen Aufschwung (Müller, 1994). Küpper (2003, S. 80) beschreibt das medial vermittelte Bild so: „Gut sehen sie aus, lebenslustig scheinen sie zu sein, hoppen von Party zu Party, modisch gestylt arbeiten sie vornehmlich in der Werbebranche oder der new economy, machen abenteuerliche Urlaubstrips rund um den Globus, haben jede Menge oberflächliche Bekanntschaften und One-Night-Stands und sind dabei wohl etwas bindungsgestört, narzisstisch und egoistisch.“

Das Bemerkenswerte an den Medien ist, dass sie Stars erschaffen, die sich dieses Prädikat meist jenseits jeder Logik erworben haben. So muss man annehmen, dass die in den Medien repräsentierten Eigenschaften dieser eigenwilligen Personen im eigenen Privatleben mitunter auf großes Unverständnis stoßen und Verletzungen erzeugen würde. Trotzdem wird der Single als allzu menschlicher Star gefeiert, als Produkt und letztlicher Gewinner unserer Spaßgesellschaft, die in ihrer Form mit unserer Realität meist wenig zu tun hat. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass Single-Sein in Wahrheit weit weniger Spaß macht, als uns durch die Medien suggeriert wird und sogar einen Risikofaktor für die Gesundheit darstellt (vgl. Küpper, 2003; Ornish, 2005). Trotzdem sind es diese zweifelhaften Helden, die, medial inszeniert, uns als Vorbilder dienen (Bandura, 2002) und unser Erleben prägen (vgl. Bartsch, 2004).
Durch das Konstrukt Single tun sich mehrere Probleme auf, die unsere Rollensicherheit und unser Selbstbewusstsein betreffen.

  • Zum einen erscheint es fraglich, mit so viel Sex-Appeal konkurrieren zu können. Es wird ein künstlicher Leistungsdruck erzeugt, der wenig förderlich für unseren Selbstwert oder unsere Persönlichkeitsentwicklung ist.
  • Zum anderen würden wir, selbst wenn wir in Lebensweise, Aussehen und Prestige-Gütern konkurrieren könnten, nicht glücklich dadurch werden – mit einer funktionierenden Partnerschaft aber schon (Ornish, 2005; Küpper, 2003). Es sind somit vergebliche Bemühungen.
  • Weiters entsteht durch diese Alternative, ungebunden zu bleiben, eine Unsicherheit, die mit unserem Lebensentwurf zu tun hat. Es muss eine Eingliederung der eigenen Identität innerhalb der Gesellschaft erfolgen, in der es manchmal schwer ist, zu wissen, was richtig oder falsch, gewollt oder nicht ist. Das bewirkt eine Rollenunsicherheit, die in Partnerschaften oft zu spüren ist (vgl. z.B. Schmidt, 2005).
  • Es kann nun auch leichter das Single-Dasein einfach hingenommen werden, der Beruf oder andere Ziele darüber gestellt werden – eine Strategie, die aller Voraussicht nach nicht zum persönlichen Glück beitragen wird (Ornish, 2005). Ratsam wäre es stattdessen, aktiv eine erfüllende Partnerschaft zu suchen.

Unfreiwilligkeit von Singles

Aufgrund oft falscher Leitbilder und Vorstellungen über die eigene und andere Personen ist das heutige Beziehungsleben vieler Menschen durch große Unsicherheiten geprägt. Dazu zählen etwa Rollenunsicherheit, damit verbunden ein unsicheres Selbstkonzept, mangelndes Selbstbewusstsein und nicht zuletzt eine Unsicherheit darüber, wie weit und in welcher Form man sich auf eine Beziehung einlassen möchte. Gerade Singles unterscheiden sich von Paaren dadurch, dass sie weniger bindungsbereit sind (Küpper, 2003). Man könnte annehmen, dass damit dann ja alles in Ordnung wäre, weil Singles sich eben keine Beziehung wünschen. So einfach ist die Sache aber nicht.

Wie Küpper (2003) zeigt, unterscheiden sich Singles von Paaren tatsächlichen in einigen Aspekten der Persönlichkeit voneinander, sowie in ihrer Bereitschaft, Konflikte konstruktiv zu lösen. Steht dahinter der exzentrische, freiheitsliebende Single, der uns in den Medien präsentiert wird? Es ist ernüchternd, aber diesen Single gibt es nicht: In Küppers (2003) Untersuchung an 200 Singles gab ca. ein Drittel an, freiwillig Single zu sein, aber doch mehr oder weniger intensiv auf Partnersuche zu sein. In Shostaks (1987) Terminologie würde man vom „ambivalenten Typ“ sprechen. Nur 15 (7,5%) der 200 gaben an, nicht auf der Suche nach einem Partner zu sein. Trotzdem will keiner der Singles für immer Single bleiben. Küpper (2003, S. 105) bemerkte: „Damit entpuppen sich auch die freiwilligen Singles höchstens als begrenzt überzeugte Singles auf Zeit.“ Der Großteil der Singles wäre nach Shostak (1987) dem „hoffenden Typ“ zuzuordnen. Das sind unfreiwillige Singles auf der Suche. „Den überzeugten, freiwilligen Single auf Dauer scheint es so gut wie nicht zu geben.“ (Küpper, 2003, S. 105)

So wird zwar oft auf die Freiwilligkeit des Single-Seins verwiesen, in Wahrheit hätte man aber lieber eine glückliche Beziehung, die man jedoch, oft aufgrund mangelnden Selbstbewusstseins, nicht glaubt, erreichen zu können. So fassen Darrington, Piercy und Niehuis (2005) die Befunde zusammen und nennen drei Hauptgründe, die in den meisten Studien als Gründe angegeben werden, warum man Single ist: persönliche Wahl, äußere Umstände, sowie persönliche Defizite oder eigene Schuldzuweisungen (p. 641).